Kennt jemand einen Mamertus oder Pankratius?
Wenn auf sie die Sprache kommt, geschieht das stets mit besorgten Gesichtern. Als Kind sah ich dann in meiner Fantasie Schneekönige unheilbringend durch Feld und Flur streifen. Heimlich hauchten sie Reif ins Bohnenbeet, hockten frostig in blühenden Obstbäumen oder zauberten eine gefährliche Eishaut auf Pfützen, in denen sich gerade gestern noch die Sonne spiegelte. Und wenn sich gar die „Kalte Sophie“, blassgesichtig mit starrem Blick auf Nachbars Dach schlich, war es um die Natur vollends geschehen.
Die Meteorologie ordnet die Tage Mitte Mai unter „Singularität“ ein und bezeichnet damit eine Wetterlage, die zu einer bestimmten Zeit des Jahres mit hoher Wahrscheinlichkeit auftritt.
Der Volksmund nennt Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie die „Eisheiligen“ und tut ihnen eigentlich Unrecht. Allesamt waren sie Bischöfe oder Märtyrer. Nicht unterkühlt, sondern mit heißer Leidenschaft war es ihnen gelungen, auf besondere Weise aus ihrem Glauben an Gott zu leben und den Menschen um sich herum zu dienen. Im katholischen Heiligenkalender sind ihre Gedenktage zwischen dem 11. und 15. Mai verzeichnet.
„Mamerz hat ein kaltes Herz“, verkündet eine der überlieferten Bauernregeln und lässt uns frösteln. Unangenehm schwingt in uns mehr mit, als er Gedanke an erfrorene Gemüsepflänzchen.
Wie oft sind wir schon fehlendem Mitgefühl, Unbarmherzigkeit und Egoismus begegnet? Wie oft waren auch wir selbst schon blind für eine Hilfeleistung, stumm für ein freundliches Wort oder taub für Gottes reden?
In der Bibel lesen wir:
„Ich werde ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ich nehme das versteinerte Herz aus ihrer Brust und schenke ihnen ein Herz, das lebt. Dann werden sie nach meinen Weisungen leben, auf meine Gebote achten und sie befolgen. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein.“ (Hesekiel 11,19-20, nach Gute Nachricht)
Während also Apfelbauern ihre blühenden Bäume zum Schutz vor Frost mit Wasser berieseln und Kleingärtner empfindliche Pflanzen abdecken, wird sich Gott – wenn wir ihn lassen – sich um unser Herz kümmern.
Ihre Gudrun Willenbockel
Foto von Gudrun Willbockel

